Naval Journal
NAVAL JOURNAL

FREGATTE DER KIMON-KLASSE

FDI-HN.jpg
122 m
LÄNGE
4.500 Tonnen
VERDRÄNGUNG
27 Knoten
GESCHWINDIGKEIT
Thales SeaFire 500 AESA
RADARSYSTEM

ÜBERSICHT

Fregatten der KIMON-Klasse (FDI HN): Eine Hochintensive Gebietsluftverteidigungsplattform für die Hellenische Marine

1. Einleitung | Warum KIMON?

In den vergangenen zehn Jahren haben sich das östliche Mittelmeer und die Ägäis nicht nur zu Räumen geopolitischer Konkurrenz entwickelt, sondern auch zu einem der zentralen Einsatzgebiete hochintensiver See-Luft-Operationen. Das regionale Einsatzumfeld befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, geprägt durch Raketensättigungsangriffe, zunehmend leise und weitreichende U-Boot-Technologien sowie die Verbreitung unbemannter Luft- und Seeplattformen (UAV/USV). In diesem neuen Ökosystem wird maritime Macht weniger durch die Anzahl der Plattformen bestimmt als durch die Geschwindigkeit und Kontinuität des Aufklärungs-, Entscheidungs- und Wirkungszyklus.

Unter diesen Bedingungen reicht der Besitz konventioneller Mehrzweckplattformen allein nicht mehr aus; digital-native Plattformen mit hoher Sensorfusion, starker Cyber-Resilienz und einer mehrschichtigen Verteidigungsarchitektur sind keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Insbesondere die Fähigkeit, auf Ebene einer Einsatzgruppe eine Gebietsluftverteidigung zu erzeugen, gilt als eines der entscheidenden Elemente moderner maritimer Operationen.

Die KIMON-Klasse (FDI HN – Frégate de Défense et d’Intervention Hellenic Navy) ist in diesem Kontext als die operativ aggressivste und feuerkraftorientierteste Ableitung der Belharra-Architektur von Naval Group entstanden. Im Gegensatz zum für die französische Marine entwickelten FDI-Konzept, das Agilität, Dauerpräsenz und Missionsvielfalt priorisiert, verkörpert die griechische Variante eine maximale Abschreckungsfähigkeit, konzentriert in einem vergleichsweise kompakten Rumpf.

FDI HN sınıfı fırkateynin modern silueti, Yunan Donanması'nın Ege'deki hava savunma gücünü vurguluyor. | CR: Naval Group

Dank ihrer digital-prioritären Architektur sind diese Schiffe nicht nur als Einzelplattformen konzipiert, sondern zielen darauf ab, innerhalb einer Einsatzgruppe als hochwertige Knotenpunkte der Gebietsluftverteidigung zu fungieren. In dieser Hinsicht ist die KIMON-Klasse als eine strategische Plattformfamilie zu bewerten, die der Streitkräftestruktur der Hellenischen Marine eine qualitative Transformation verleihen soll, anstatt lediglich eine quantitative Verstärkung darzustellen.

2. Entstehung des Programms | Doktrinelle Lücke und Strategische Entscheidung

Die Überwasserstreitkräfte der Hellenischen Marine stützten sich über viele Jahre hinweg auf die Fregatten der Elli-Klasse (Kortenaer) sowie auf Plattformen der MEKO-200HN-Klasse. Das faktische Erreichen des technologischen Lebensendes der Elli-Klasse und der umfassende Modernisierungsbedarf der MEKO-200HN-Klasse haben jedoch eine erhebliche Fähigkeitslücke innerhalb der Flotte entstehen lassen.

Aus Sicht Athens bestand das kritischste doktrinelle Defizit in der fehlenden Fähigkeit, eine mehrschichtige Gebietsluftverteidigungsarchitektur aufzubauen – eine der zentralen Anforderungen moderner maritimer Einsatzführung. Die vorhandenen Plattformen bieten überwiegend Eigenverteidigungsfähigkeiten und eine begrenzte Absicherung von Einsatzgruppen, sind jedoch nicht in der Lage, einen dauerhaften und großräumigen Verteidigungsschirm gegen hochintensive Luft- und Raketenbedrohungen bereitzustellen.

Vor diesem Hintergrund waren vier Hauptfaktoren ausschlaggebend für die Auswahl der FDI-Architektur:

  • Gebietsluftverteidigungsfähigkeit: der Bedarf, mithilfe von Aster-30-Flugkörpern einen großräumigen Schutzschirm aufzubauen.
  • Sensortechnologie: die überlegenen Detektionsfähigkeiten des Sea-Fire-AESA-Radars gegenüber niedrig signaturbehafteten und hochgeschwindigen Bedrohungen.
  • Schnelle Lieferung und digitale Prozesse: ein vorhersehbarer und beschleunigter Lieferzeitplan durch digitale Konstruktion und Integration.
  • Industrielle und strategische Dimension: eine langfristige strategische Partnerschaft mit der französischen Verteidigungsindustrie.

Infolgedessen wurde die KIMON-Klasse nicht als Übergangslösung für eine alternde Flotte konzipiert, sondern als Grundpfeiler einer neuen, auf Gebietsluftverteidigung ausgerichteten Streitkräftestruktur positioniert.

Steuerbord-Bugansicht der Fregatte Kimon F-601 mit Rumpf und Aufbauten
Die Steuerbord-Bugperspektive der F-601 Kimon unterstreicht ihr modernes Marineprofil. | CR: This image is a screenshot sourced from a video by Naval Group.

3. Plattformarchitektur | Hohe Dichte in Kompaktem Rumpf

Die KIMON-Klasse weist mit einer Verdrängung von rund 4.400 Tonnen und einer Länge von 121,6 Metern eine nach modernen Fregattenstandards vergleichsweise kompakte Bauform auf. Diese Kompaktheit stellt jedoch keinen Fähigkeitsverzicht dar, sondern ist Ausdruck einer bewussten ingenieurtechnischen Entscheidung, Sensoren, Waffen und Missionssysteme auf engem Raum zu konzentrieren.

Das CODAD-Antriebssystem mit einer Leistung von etwa 32 MW wurde ausgewählt, um mechanische Ausdauer und Treibstoffeffizienz bei Langstreckenpatrouillen, Begleiteinsätzen von Einsatzgruppen und anhaltenden Hochtempo-Operationen auszubalancieren.

Invertiertes Bugdesign der Kimon-Klasse FDI-Fregatte zur Wellendurchdringung
Der charakteristische invertierte Bug der Kimon-Klasse (FDI HN) verbessert die hydrodynamische Effizienz. | CR: This image is a screenshot sourced from a video by Naval Group.

Das invertierte Bugdesign reduziert das Stampfen bei hohem Seegang und verbessert die Rumpfstabilität. Diese Auslegung ist entscheidend, um den stabilen und kontinuierlichen Betrieb der unter dem PSIM-Mast (Panoramic Sensors and Intelligence Mast) integrierten Sensoren auch unter anspruchsvollen Seebedingungen sicherzustellen.

4. Aktueller Stand und Lieferzeitplan | Standard-1 und Gestufte Fähigkeitsentwicklung

Die ersten Einheiten der KIMON-Klasse werden in einer eingeschränkten Konfiguration mit der Bezeichnung „Standard-1“ ausgeliefert, um die operative Fähigkeitslücke rasch zu schließen. Dieser Ansatz beschleunigt die physische Indienststellung der Plattformen, während die vollständige Einsatzfähigkeit durch schrittweise Modernisierungen erreicht werden soll.

In diesem Zusammenhang treten die ersten beiden Schiffe, HS Kimon und HS Nearchos, ohne den vollständigen Endfähigkeitsumfang in den Dienst. Zu den wesentlichen Systemen, die bei Auslieferung fehlen oder später aktiviert werden, gehören:

  • Vertikales Startsystem (VLS): Obwohl das Endziel 32 Zellen umfasst, werden die ersten beiden Schiffe zunächst mit 16 Zellen ausgeliefert; Modernisierungen ab 2027 sollen diese Zahl auf 32 erhöhen.
  • RAM-Punktverteidigungssystem: Das 21-zellige Mk-31-RAM-Block-2B-System wird im Rahmen des Standard-2-Upgrades integriert.
  • Marschflugkörper (MdCN / Scalp Naval): Die ersten drei Schiffe verfügen zunächst nicht über diese Fähigkeit; lediglich das vierte Schiff, Themistokles, wird damit von Beginn an ausgerüstet.
  • Mehrzweck-Startsystem (MPLS): Die Integration dieses gegen Drohnen und asymmetrische Bedrohungen entwickelten Systems ist für die Zeit nach 2027 vorgesehen.
  • Systemaktivierung: HS Kimon wurde in einer „hybriden“ Konfiguration ausgeliefert, bei der einige Systeme physisch installiert, jedoch software- und doktrinseitig noch nicht vollständig aktiviert sind.

5. Zentrale Unterschiede zur Französischen FDI | Was KIMON Einzigartig Macht

Die KIMON-Klasse ist keine eins-zu-eins-Kopie der für die französische Marine entwickelten Standard-FDI-Konfiguration. Obwohl derselbe Rumpf und dieselbe digitale Basis verwendet werden, wurden Missionsprioritäten und Lastverteilung grundlegend neu ausbalanciert.

5.1 Priorität auf Gebietsluftverteidigung

Während die französischen FDI ursprünglich mit einer VLS-Architektur von 16 Zellen geplant wurden, ist die KIMON-Klasse auf 32 Sylver-VLS-Zellen ausgelegt. Diese Konfiguration ermöglicht eine gemischte Beladung mit Aster-15- und Aster-30-Flugkörpern und bietet sowohl lokale als auch gebietsweite Luftverteidigungsfähigkeiten. Das über dem Hangar installierte 21-zellige RAM-Block-2B-System bildet eine kritische CIWS-Schicht, die der griechischen Variante vorbehalten ist.

5.2 Sensoransatz

Das Thales-Sea-Fire-AESA-Radar gewährleistet durch vier feste Antennenfelder eine kontinuierliche 360-Grad-Abdeckung. Unter Bedingungen von Sättigungsangriffen ermöglicht es eine hohe Zielaktualisierungsrate und Nachführqualität und maximiert damit die Wirksamkeit der Aster-Flugkörper.

5.3 Verteidigungsphilosophie

Während französische Plattformen das CANTO-Torpedo-Gegenmaßnahmensystem bevorzugen, ist die KIMON-Klasse mit dem Sylena-Mk1-Täuschkörpersystem ausgestattet. Diese Entscheidung spiegelt einen Ansatz wider, der mit der bestehenden logistischen Infrastruktur der Hellenischen Marine sowie ihrer regionalen Bedrohungsanalyse in Einklang steht.

6. Waffen- und Sensorintegration | Waffen–Doktrin-Abgleich

Die KIMON-Klasse wird durch das Gefechtsführungssystem SETIS von Naval Group gesteuert, das auf vollständig virtualisierten und redundanten Rechenzentren basiert. Diese digitale Basis stellt ein zentrales Element dar, das der Plattform eine „von Grund auf“ ausgelegte Cyber-Resilienz verleiht.

  • Luftverteidigung: Kombination aus Sea Fire AESA, Aster 15/30 und RAM Block 2B.
  • U-Boot-Abwehr (ASW): Kingklip Mk2 und CAPTAS-4 Compact. Die Mitführung von CAPTAS-4 auf einem 4.400-Tonnen-Rumpf macht die Klasse zu einer der leistungsfähigsten ASW-Plattformen ihres Segments.
  • Überwasserkampf: 8 × Exocet MM40 Block 3C und die Oto-Melara-76-mm-Super-Rapid-Hauptkanone.
  • Bewältigung asymmetrischer Bedrohungen: Das PCLCMA-Zentrum ist durch panoramische elektrooptische Sensoren und automatisierte Detektionsalgorithmen für Schwarmangriffe optimiert.

7. Geopolitische Wirkung und Industrielle Dimension

Die KIMON-Klasse zielt darauf ab, Griechenlands Fähigkeit zur Absicherung seiner AWZ-Ansprüche und Energiekorridore im östlichen Mittelmeer zu stärken. Die für die Finanzierung des Programms in Betracht gezogenen SAFE-Kredite (Security Action for Europe) der Europäischen Union haben zudem Debatten darüber ausgelöst, ob diese Beschaffungen der kollektiven Verteidigung gegen die russische Bedrohung dienen oder primär regionalen Wettbewerbszielen folgen.

Die im Rahmen von SAFE geforderte Quote von 65 % europäischem Produktionsanteil beeinflusst die industrielle Architektur des Programms unmittelbar. Derzeit übernehmen griechische Werften begrenzte Fertigungsarbeiten und Aufgaben mit geringer technologischer Tiefe, während Radar-, Sensor- und Gefechtsführungssysteme vollständig importiert werden.

8. Operative Risiken

  • Logistische und wartungstechnische Komplexität
  • Hoher Ausbildungs- und Personalbedarf
  • Nachhaltigkeitsrisiko aufgrund der begrenzten Anzahl von Schiffen

9. Schlussfolgerung | Ein Qualitativer Kraftmultiplikator

Die KIMON-Klasse stellt einen bedeutenden qualitativen Sprung dar, indem sie die Hellenische Marine von einer analogen Ära in eine netzwerkzentrierte, digital-native Gefechtsarchitektur überführt. Während der gestufte Fähigkeitsaufbau kurzfristig gewisse operative Einschränkungen mit sich bringen kann, legt er mittelfristig die Grundlage für eine hochintensive, auf Gebietsluftverteidigung ausgerichtete Streitkräftestruktur. Diese feuerkraftpriorisierte Variante der Belharra-Architektur hebt sich als strategische Plattformfamilie hervor, die das Potenzial besitzt, das maritime und luftgestützte Kräftegleichgewicht im östlichen Mittelmeer und in der Ägäis zu beeinflussen.

ANTRIEBCODAD (4x Dieselmotoren - 32 MW)

WAFFEN & SENSOREN

WAFFEN & SENSOREN
  • 32x Sylver A50 VLS für Aster 15/30 B1 Raketen
  • 8x Exocet MM40 Block 3C Seezielflugkörper
  • 1x RAM (RIM-116) Block 2B CIWS
  • 1x Leonardo 76mm Super Rapid Geschütz
Kimon (F-601)
Nearchos (F-602)
Phormion (F-603)